The Other Bar: Was für Kaffee gilt, gilt auch für Schokolade

Nachhaltigkeit und Transparenz in der Wertschöpfungskette für gerechte Löhne und eine umweltfreundliche Produktion

In den letzten Wochen thematisierten wir in der ReUse Summer School die Blockchain Technologie und das FairChain Konzept. Beide Prinzipien zeigen im Kaffeemarkt immer mehr Wirkung und führen zu einem echten Wandel.

Heute wollen wir einen Schritt weitergehen – also über unsere Kaffeetasse hinausschauen – und uns dem Kakao beziehungsweise der Schokolade zuwenden, so wie es The Other Bar tut.

Die Krux am aktuellen Wirtschaftsmodell

Heute gibt es auf unserem Planeten 7,5 Milliarden „Esser“, 1,5 Milliarden Bäuerinnen und Bauern, aber nur 300 große Lebensmittelkonzerne, die unsere Versorgung mit Lebensmitteln immer stärker kontrollieren. Wenige Supermarktketten und international agierende Marken erwirtschaften jedes Jahr Milliardengewinne. Während 500 Millionen Landwirte mit weniger als zwei Dollar am Tag ums Überleben kämpfen. Das sind also die Menschen, die unsere Nahrungsmittel anbauen. Gleichzeitig können sie aber nicht ihre eigenen Kinder ernähren, geschweige denn sich um deren Bildung kümmern.

Es reicht nicht aus, den BauerInnen einfach ein paar Cent mehr zu zahlen – vielmehr muss die Wertschöpfung fairer verteilt werden. Französische Winzer exportieren keine Trauben, sondern verkaufen hochwertigen Wein. Warum also sollten die Farmer in Äthiopien oder Ecuador Kaffee- oder Kakaobohnen exportieren, wenn sie doch ihren eigenen Kaffee rösten und ihre eigene Schokolade herstellen könnten?

The Other Bar: Ein Blockchain Experiment

Das Produkt: FairChain Schokolade vom feinsten

Ecuador hat die feinste Schokolade der Welt. Was Äthiopien für Arabica-Kaffee und Champagner für feinperligen Alkohol ist, das ist Ecuador für Kakao. Gleichzeitig geben sich die ecuadorianischen BauerInnen mit besonders großer Hingabe der biologischen Landwirtschaft hin.

Das liefert The Other Bar gleich zwei Argumente auf Schokolade aus Ecuador zu setzen: Bester Kakao und eine besondere Leidenschaft für dessen Anbau.

Was macht Kakao aus Ecuador so besonders?
Die ecuadorianischen BauerInnen kultivieren bereits über Generationen ihre Kakaobäume. Jede Pflanze wird mit größter Sorgfalt und Handarbeit aus ausschließlich heimischen Bäumen und Kakaosorten kultiviert. Herausgekommen sind widerstandsfähige Kakaobäume, die nach streng biologischen Vorgaben und ohne Pestizide bewirtschaftet werden. Nicht die schnelle Gewinnmaximierung, sondern die nachhaltige und hochqualitative Ernte steht im Mittelpunkt. Diese wird und soll über Generationen erhalten bleiben und liefert allerbesten Kakao.

The Other Bar - Kakaobäuerinnen

Die Idee dahinter:
Radikale Transparenz und KonsumentInnen, die Verantwortung übernehmen

Genau wie beim FairChain Kaffee, setzt The Other Bar auf FairChain Kakao und vor allem auf die Blockchain Technologie. Auf diese Weise entsteht eine völlig transparente Wertschöpfungskette, von den Kakaobauern und -bäuerinnen über die Schokoladenproduktion bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Und letztere können dabei selbst entscheiden, wie ein Teil des Gewinns verteilt wird: als Investition in neue Kakaopflanzen oder als persönlicher Rabatt auf den nächsten Kauf. Das ist eine völlig neue Verantwortung für die VerbraucherInnen.

Wie das genau funktioniert?
Letztes Jahr brachte die Fair Chain Foundation in Zusammenarbeit mit dem UNDP Ecuador The Other Bar auf den Markt. The Other Bar ist nicht nur ein besonders leckerer Schokoladenriegel, sondern er ist auch mit einem „digitalen Pass“ (der den Kakao von der Bohne bis zum Riegel verfolgt) versehen. Dieser Impact-Token ermöglicht es den VerbraucherInnen neben Transparenz über die gesamte Produktion direkt wieder in die Bauern und Gemeinden zu investieren, aus der der Kakao des Riegels stammt. Also zum Beispiel bei Jorge und Orfelina in der Provinz Zamora in Ecudador.

The Other Bar ist ein ehrgeiziges Experiment. Es testet am Beispiel einer FairChain Schokolade die Hypothese, dass KonsumentInnen nachhaltige Geschäftsaktivitäten und Marken (im Gegensatz zu nicht-nachhaltigen) belohnen und wahrscheinlich einen höheren Preis für deren Produkte bezahlen.

    Und das Fazit: Lass uns etwas ändern

    Wir KonsumentInnnen haben mehr Macht, als wir denken.

    Wir sollten fragen: Welche Konsequenz hat unsere Einkaufsentscheidung? Wie sind davon andere Menschen auf der Welt und die Umwelt betroffen? Wir können uns informieren und Informationen anfordern, falls Unternehmen sie nicht bereitstellen. Wir haben das Recht zu wissen, wie und wo unsere Produkte hergestellt werden.

    Wir haben Kaufkraft. Wir können uns entscheiden, auf Konsum zu verzichten oder bestimmen, wo wir einkaufen. Wir müssen beispielsweise nicht bei Supermarktketten oder Discountern einkaufen, die den Preiswettbewerb ankurbeln und BauerInnen und Kleinunternehmen dazu zwingen ihre Preise niedrig zu halten. Wir können lokal und regional einkaufen oder uns Kooperativen anschließen, die den Supermarkt als Mittelsmann ersetzen.

    Wir können wählen. Es gibt B-Corps oder ähnliche Unternehmen, die sich für eine alternative Form von Wirtschaften einsetzen. Denn Profit ist nichts Schlechtes, wenn er gerecht verteilt wird, und/oder einem guten Zweck dient. Du kannst dich also bei jeder Kaufentscheidung für solche Unternehmen entscheiden.

    Nimm dir Zeit, kläre dich auf, entscheide für dich!

    Background

    Mehrweg statt Einweg & eine fairere Welt

    Die ReUse Summer School 2020 – Interviews, Hintergrundinformationen und Kaffee Know-how zu einem nachhaltigen und fairen Umgang mit unseren Mitmenschen, Ressourcen und der Umwelt.

    ReUse Summer School